Forschungsarbeit

Die Arbeit Dr. Schönbachs in der Faschismusforschung ist bis heute nur gegen großen Widerstand verschiedener staatlicher und privater Institutionen möglich.

Das betraf in der Vergangenheit z.B. die Dissertation: Seine ganze Forschungsarbeit, bei welcher Dr. Schönbach u.a. die Akten von insgesamt 12 Industrie-Konzernen, 7 Banken und 6 Industrieverbänden auswertete und dabei insgesamt mehr als 50.000 Dokumente sichtete, musste im Gegensatz zu den Voraussetzungen, auf die andere Wissenschaftler zurückgreifen können, die im Geld diverser Stiftungen schwimmen, ohne jegliche Unterstützung geleistet werden. Selbst die angeblich „linke“ Rosa-Luxemburg-Stiftung hatte die Vergabe eines Forschungsstipendiums für die Faschismusforschung ausdrücklich abgelehnt.

Nach Auskünften des Doktorvaters habe die angeblich „linke“ Rosa-Luxemburg-Stiftung damals von ihm sogar verlangt, den Doktoranden fallen zu lassen, oder keiner seiner Doktoranden würde jemals wieder von der Stiftung ein Stipendium erhalten. So stellte es der Professor zumindest gegenüber seinem Doktoranden dar. In einer Ansprache gegenüber allen seinen Doktoranden nach Schönbachs Disputation erklärte Professor Wippermann, dass er noch nie in seiner Karriere eine so schwer umkämpfte Dissertation erlebt habe und auch noch nie eine derart ungerechte Behandlung gegenüber einem seiner Doktoranden. Das hier Gesagte stellt selbstverständlich auch nur einen Ausschnitt der Schwierigkeiten und Hindernisse während der Promotion dar.

Der Widerstand gegen die Arbeit Dr. Schönbachs betrifft auch die Archivarbeit: Einer der ergiebigsten Archivbestände, die der Dissertation Schönbachs und späteren Beiträgen von ihm zugrunde liegen, sind die Akten des ehemaligen Industriellenverbandes „Bergbauverein“. Als der Autor im März 2007 diese Akten im Bergbauarchiv Bochum zu sehen wünschte, mit dem Ziel, das Verhältnis der führenden Kapitalisten der dreißiger und vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts zur NSDAP-Führung aufzuarbeiten, wurde er extra von einem leitenden Mitarbeiter des Archivs empfangen, der ihm sagte, dass einige führende Persönlichkeiten des Industriellenverbandes damals „einige merkwürdige Dinge getan“ hätten und der Autor möchte doch „bitte nicht so genau hinsehen“.

Als der Autor zum Ausdruck brachte, dass er diese Anmerkung nicht verstehe, wurde der Archivar deutlicher und erklärte: „Wir haben diesen Bestand nicht bearbeitet, weil wir wenigstens ein einziges Mal eine vollständige Überlieferung haben wollten.“ Das bedeutet folglich für die anderen Industrieakten in den Archiven, dass sie also „bearbeitet“ wurden, mit dem Ziel, keine „vollständigen Überlieferungen“ in die öffentlichen Archive gelangen zu lassen, sodass man nicht zu befürchten hatte, dass einige Benutzer zu „genau hinsehen“ könnten. Die beiden Bestände, die in dieser Hinsicht am intensivsten „bearbeitet“ wurden, sind nach den hier vorgenommenen Untersuchungen die Akten der GBAG, bei denen fast der gesamte Schriftwechsel des Vorstandes „entsorgt“ wurde und der Nachlass des Großindustriellen Paul Reusch. In seinen Korrespondenzen, die nach Personen geordnet sind, fehlen gerade im Schriftwechsel mit Industriellen, die nachweislich der NSDAP-Führung nahegestanden haben, bis auf ein paar Fetzen ganze Jahre.[1]

Als der Autor im März 2007 dem Archivmitarbeiter übrigens ganz offen zu verstehen gab, dass er mit der Absicht gekommen sei, eben doch „genau hinzusehen“, verschwand sofort eine Akte von seinem Tisch mit der Begründung, dass sie plötzlich ganz dringend in die „Konservierung“ müsste. Als der Autor daraufhin im Jahre 2010 erneut nach Bochum reiste, um diese Akte zu sehen, war sie plötzlich „verlegt“ und „nicht mehr auffindbar“.[2] Auch das hier Gesagte stellt nur einen Ausschnitt der Schwierigkeiten und Hindernisse während der Archivarbeit dar.

Viele Institutionen haben sich unserer Ansicht nach unter Verletzung des Artikels 5 des Grundgesetztes der Bundesrepublik Deutschland am Widerstand gegen die Forschungsarbeit Dr. Schönbachs beteiligt. Der Grund dafür liegt unseres Erachtens darin, dass aus politischen Gründen kein echtes Interesse an einer objektiven Aufarbeitung der Verbrechen der führenden deutschen Konzerne in Zusammenhang mit der Errichtung des „Dritten Reiches“ sowie der Vorbereitung und Durchführung des Zweiten Weltkrieges besteht. Ebenso wenig besteht ein echtes Interesse an der Erforschung des Faschismus.

Hier scheint es nach wie vor politisch genehmer zu sein, die Schuld entweder einem unhistorisch überhöhten und geradezu gottgleich aufgeblähten Diktator zuzuschieben oder pauschal eben dem deutschen Volk.

Immerhin hatten Hitler und die NSDAP selbst in ihren erfolgreichsten Zeiten nie mehr als etwa 40% an der Wahlurne erreicht – in der Regel sogar viel weniger! Ebenso wird der faschistische Repressionsapparat aus Gestapo, Konzentrationslagern, SA und SS sowie die gewaltige Propagandamaschinerie hier in der Beurteilung gern ausgeblendet. Diese gewaltigen Instrumentarien deuten letztlich nicht von ungefähr darauf hin, dass die Mehrheit des deutschen Volkes die NS-Politik nicht gerade freiwillig unterstützt hat. Aber die wahren Schuldigen werden gern ausgeblendet und kommen vor allem in den Schulbüchern nicht vor.

Soviel zur „Qualität“ der Schulbildung in Deutschland.

Den Erfahrungen Dr. Schönbachs zufolge hat die Geschichtsschreibung hierbei einer offiziell natürlich nicht existierenden Doktrin zu folgen, deren Ziel es zu sein scheint, den Kapitalismus vom Faschismus rein zu waschen. Dass die Doktrin ganz und gar verfassungsfeindlich ist (Art. 5 GG) braucht hier sicher nicht nochmals gesagt zu werden.

[1] Siehe z.B. im Nachlass des Großindustriellen Paul Reusch im Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv die Korrespondenzen mit Kirdorf und Vögler. Bei Kirdorf existiert kaum noch ein Dutzend Blätter und bei Vögler fehlt ab 1927 bis auf ebenso wenige Blätter fast die ganze Korrespondenz mit Reusch. – Siehe: Nachlass Reusch a) Korrespondenz mit Vögler 130-400101290/37; b) Korrespondenz mit Kirdorf 130-40019390/20.

[2] Es handelt sich dabei nach wie vor um die Akte Nr. 8018 der Akten des Bergbauvereins (Bestand Nr. 16) im Bergbauarchiv Bochum.